Wildhorn (3247m)
September 14th, 2007Das Wildhorn ist keine 4000m hoch - es ist kein besonders beeindruckender Berg - es ist auch nicht besonders anspruchsvoll, auf seinen Gipfel zu gelangen - und genau darum ist diese Tour für diejenigen Zeitgenossen das Richtige, welche die Bergwelt so richtig geniessen möchten, ohne Heldentaten leisten zu müssen/wollen. ‘I’dr Länk’ mit dem Zug angelangt, folgt zum Schluss eine beschauliche Postautofahrt ins Iffigtal zur Iffigenalp. Gleich bei der Haltestelle lädt eine putzige Bergbeiz zum Verweilen ein, denn der Aufstieg zur Wildhornhütte beträgt von dort nur noch ca. 2h 45min.
Auf einem Fahrweg gehts zunächst bequem das Iffigtal hinein. Schon nach kurzer Zeit zweigt dann der schmalere Bergweg ab und steigt empor. Schnell stellt man fest, dass die Felsen und Gesteine der Umgebung ausserordentliche Unterschiede in Schichtung und Farbe aufweisen. Ein Zeichen, dass hier geologisch interessante Faltungen stattgefunden haben müssen. Tatsächlich ist es so, dass auch heute noch in der Region ums Wildhorn starke Kräfte am wirken sind. Der Druck der afrikanischen auf die europäische Kontinentalplatte ist hier sehr gross, wodurch hier eine Häufung an leichen Erdbeben festzustellen ist, wo sich diese Kräfte entladen.
Doch unsere Tour führt uns nun steiler aufwärts Richtung Iffigsee. Erst im letzten Moment beim Passieren einer passähnlichen Lücke erscheint auf einmal der türkisfarbene Iffigsee. Auf den zweiten Blick entdeckt man auch schon die Wildhornhütte etwas weiter im Tal hinten auf einem kleinen Geröllhügel.

Der Weg bis zur Hütte ist dann doch noch etwas länger als er von hier scheint. Die Wildhornhütte ist Sommer wie Winter gut besucht. Da das Wildhorn auch ein beliebtes Skitourenziel ist, muss man auch im Winter mit etwa dem gleichen hohen Aufkommen an Besuchern rechnen. Während des Sommers besteht ein Grossteil der Hüttengäste aus Wanderen, welche die ‘Tour de Wildhorn’ machen: eine alpine Wanderung von Hütte zu Hütte rund um das Wildhorn.
Das Hüttenpersonal ist sehr freundlich und gut organisiert. Einzig der Hüttenchef scheint noch ‘alte SAC-Schule’ zu sein mit dem entsprechendem Umgangston - ich hoffe mal für kommende Gäste, dass er nur einen schlechten Tag hatte!
Nach dem Frühstück um 0530 gehts los. Trotz Dunkelheit ist der Weg einfach zu finden, da man dem markierten Wanderweg zur Moräne und auf dieser hinauf folgt bis man zum Rand des Chilchigletschers gelangt. Die Dämmerung ist immer einer der schönsten Momente der Tour - man weiss sofort, dass es sich gelohnt hat in einer vollen unruhigen Hütte dicht gedrängt zu übernachten und frühmorgens aufzustehen, wenn man solche Momente wie dieses Bild zeigt erleben darf.

Von dort wandert man den sanft geneigten Gletscher hoch, welcher bis auf ca. 3000m aper ist und eigentlich gut ohne Steigeisen begangen werden kann. In der Lück bei Punkt 2815 wechselt man dann auf die andere Gletscherseite und damit auch über die Sprachgrenze hinweg - der Gletscher heisst hier Glacier de Ténéhet.
Schon früher soll angeblich in wärmeren Jahrhunderten diese Region als Übergang vom Wallis ins Berner Oberland benutzt worden sein. Beim Schnidejoch, welches sich in unmittelbarer Nähe befindet sollen archäologische Funde gemacht worden sein, welche bis zu 5′000 Jahre alt sein sollen! Interessanterweise finden sich im Internet Artikel, welche über diese Funde berichten aber auch solche, welche es als inszenierte Medienaktion ansehen. Es sei dem Leser überlassen, wem er Glauben schenken mag…
Nach dem Passieren der Sprachgrenze gehts es nun weiter über den flachen Gletscher. Nach kurzer Zeit taucht dann auch der Doppelgipfel des Wildhorns auf, welcher sich nur wenig über das grossräumige Eisplateau erhebt. Der letzte Abschnitt ist etwas steiler, aber ebenfalls unschwierig und kaum findet man sich auf dem ersten Wildhorngipfel mitsamt einem Gipfelkreuz wieder.

Doch wer die Karte gut studiert hat weiss, dass dies eigentlich nicht der höchste Punkt des Wildhorns ist! Der hintere, über einen Verbindungsgrat erreichbare Hauptgipfel hat selbst kein Kreuz, ist aber ca. 1.5m höher. Ob man beide Gipfel besuchen will, soll jedem überlassen bleiben - die Aussicht ist auf beiden grandios…














